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Günter Minas
"Blue Influence"                                                                                                                                                                 1997

Sie begeben sich heute Abend unter einen Einfluss, meine Damen und Herren, einen blauen Einfluss, und daran sind, wenn Sie sich umschauen, nicht nur die Bilder schuld. In der Tat ist der erste eindruck beim Betreten dis Saales zumindest farblich geschlossener als bei manchem anderen, was hier schon hing, aber ich behaupte, die Situation ist gleichzeitig offener. Und da wird's künstlerisch interessant, das will ich Ihnen versuchen zu Zeigen.

Experimente

Fiona Leus is, einige werden's wissen und aus der Biografie auf der Einaldungskarte ist es zu entnehmen, sie ist auch Filmemacherin. Für die Filme, die sie dreht, gibt es einen traditionellen Begriff, zwar nicht unumstritten, aber dennoch nützlich: Man spricht vom Experimentalfilm. Ich behaupte, man kann auch für ihre Malerei einen analogen Begriff verwenden, viellieicht experimentelle Malerei.

Wie geht ein Experiment vor sich?

Man arbeitet mit Beziehungen zwischen verschiedenen Elementen. Diese Elemente stehen in bestimmten Abhängigdeiten voneinander, sozusagen künstlerischen Naturgesetzen. Über diese Gesetze, diese Beziehungen haben Sie eine Hypothese, eine Annahme. Im Experiment prüft man, ob die Annahme richtig ist, oder verändert, gar verworfen werden muss. Die Frage ist: welchen Effect erziele ich, wenn ich an der ausgangssituation eine kleine kontrollierte Veränderung vornehme.

Konkret: Der Künstlerin steht eine Reihe von Mitteln zur Verfügung, das sind in diesem Fall ganz traditionell die Leinwand , die Ölfarbe, verschiedene Hilfsstoffe und das Werkzeug wie Pinsel. Alle diese Faktoren sind in vielen Variationen denkbar, und jede Variation seht wieder in einer Wechselbeziehung zu eanderen faktoren. Das Universum der Malerei ist undendlich. Es ist unmöglich, alle Gesetzmäßigkeiten aufdecken zu wollen. Ich kann nur experimentieren, also Effekte untersuchen und produzieren, wenn ich die Mittel beschränke, mich auf ein begrenztes Areal an Ausgansmöglichkeiten zurückziehe.

Das Blau

Diese Entscheidung hat Fiona Leus einmal getroffen, für einen begrenzten Zeitram sicherlich. Die Ausgangssituation, geradezu didaktisch platziert, und übrigens bisher nie ausgestellt, sehen Sie hinter mir "Seven Pieces", sieben kleine Farbtafeln von 1990. Jede einzelne untersucht eien bestimmten Bereich des Faarbspektrums. Ein Farbfeld, eine Ausschnitt aus der Unendlichkeit der Farbe. Die Malerin hat , nach diesem Abstecken der Möglichkeiten, sich entschlossen, die Aussnitte nacheinander zu untersuchen. Was Sie hier sehen, ist das Malsystem 2: Blau. Die Bilder stammen aus 1994 und 1995.

Es wird heutzutage viel Blau gemalt. Blau wird allgemein als angenehm Farbe betrachtet, ist sogenannte Lieblichsfarbe von vielen Menschen, aber welches Blau eigentlich? Preußischblau, taubenblau, Ultramarin, Blauviolett, Indigo, Himmelblau, Nachtblau, türkis, Blaugrün, Bläulich ....

Wie läuft das Experimenmt im Atelier nun ab?

Fiona Leus beginnt damit, dass sie - meisst direkt aus der Tube - eine weiße Leinwand mit Farbpunkten bedeckt, und zwar mit mehr als 20 fertigen Blauvariationen aus Ölfarbe. Die Anordnung der verschiedenen Varianten auf der Gläche ist Ergebnis, - sagen wir - konzentrierter Intuition.

Der zweite Schritt besteht darin, mit einem trockenen Pinsel die Farbhäufchen zu verstreichen, einem seriellen Strichmuster folgend. Was bisher noch relativ eindeutig festzuhalsten war, vielleicht sogar nach einem Protokoll wiedreholar, wird in diesem Moment zum Abenteuer. Die Farben vermischen sich zum Teil, zum Teil bleiben sie nebeneinander stehen, zum Teil überdecken sie sich, neue Farbnuancen entstehen, Strukturen entstehen, und wie bei jedem Raster oder einer pointilistischen Füllung einer Fläche, beginnt man unwillkürlich und automatisch, die Einzelelemente zusammen zu sehen, sie zu Mustern oder Ordnungen zu organisieren, Höhen und Tielfen wahrzunehmen, hineinzublicken in die Fläche. Und dieser in uns ablaufende Vorgang gehört zum Experiment dazu und ist nur zum teil von der Malerin noch beeinflussbar.

Wenn Fiona Leus mit dieser genannten Arbeit des Verstreichens und Überstreichens nicht aufhört, sondern sogar farbschichen wieder entfernt, verwandelt sich das Bild erheblich, die Strukturen verschwinden, das Spektrum konzentrieret sich auf einen kleinen Ausschnitt. Irgendwann auf dem Weg zu einer tendenziellen Vermischung aller farben der jeweiligen Fläche hört sie dann doch auf. Die Ergebnisse sehen Sie in den Beiden dreiteiligen Arbeiten am Beginn.

Rheihungen

Diese Kombinationen sind Ergebnis eines weiteren Experiments, das zu Beginn der Arbeit nicht beabsichtigt war:
Die Addition mehrerer Bilder zu Dreiergruppen. Es treffen hier also einerseits verschiedene Spektralbereiche aufeinander und zum anderen verschiedene Phasen des eben geschilderten Arbeisprozesses.

Experimente werden, sollen sie aussagekräftig sein, in Reihen durchgeführt, und sie verlagnen ein System, ein systematisches Vorgehen. Fiona Leus folgt einem solchen, sie nennt es einfach Malsystem 2. Und an der Schilderung des praktischen Malvorgangs haben Sie gemerkt , dass in der tat zumindest innerhalb eines Bildes ein systematisches Arbeiten, d.h. das Befolgen eines vorgenommennen systems stattfindet.

Alle, die Fiona Leus kennen, werden sagen : Soviel Systematik, soviel geradezu wissenschaftliche Methodik und Konsequenz in der Arbeit, das ist doch nicht Fiona, über die er spricht. Nun gut, Sie können das, was ich Experimentiern genannt habe, auch Spiel nennen. Spiele folgen Regeln und sind ungeheuer systematisch. Jetzt könnten wir auch über die Spieltheorie sprechen, die nichts anderes beschreibt als die Systematik des Zusammenhangs zwischen verschiedenn Wahlmöhlichkeiten, unpolitisch gemeint.

Offenheit

Und sie habe schon am Anfang der Überlegung gemerkt, das bei so vielen Faktoren schnell die Gesetzmäßigkeit verlassen wird, das Ergebnis nicht mehr vorhersehbar ist, nicht schematisch wiederholbar. Und hierin liegt die Offenheit des Systems. Nebenbei: experimentieren Sie selbst Weiter, indem Sie auch mal am Tage herkommen, an einem so klaren Tag wie heute, zwischen 11 und 14 Uhr ist der Saal geöffnet.

Und noch etwas: Das Atelier ist nicht wissenschaftliches Labor: die Künstlerin will nichts beweisen. Und es gibt kein richtig und falsch in der Kunst im wissenschaftstheoretischen Sinn. Was es wohl gibt:  Ein Gut und Schlecht. Und darüber muss man auch sprechen. Das erledigt sich nicht mit der Entscheidung der Künstlerin.

Wir müssen also wieder weg vom Begriff Experiment, können ihn auch so relativieren: Jedes Kunstwek ist nicht nur Ergebnis eines Experiments, sonder ist weiterhin in jedem Moment seiner Betrachtung ein neues Experiment, und alle Bilder zusammen bilden das große Experiment, das Experiment Kunst. auch bei Fiona Leus ist das Ergebnis offen.

"Blue Influence" heißt der titel der Ausstellung. "Blauer Einfluß". Man könnte jetzt auch fragen : Unter welchem Einfluss steht Fiona Leus selbst, wenn sie ihre Bildexperimente entwirft, formate wählt, triptychen zusammenstellt? Ich meine jetzt nicht die blauen Flaschen, ich meine es kunst-kritisch. Aber das wäre ein neues Thema.

Für Sie hier heute Abend wichtiger ist die andere Frage: welche Einfluss üben die blauen Bilder auf Sie aus? Und diese Frage müssen Sie sich selbst stellen, wozu ich Sie herzlich einlade.
www.minas-mainz-de